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In Afghanistan gibt es eine ausgeprägt Kultur des Lufttrocknens von Lebensmitteln. Das Klima ist in den meisten Gegenden sehr Trocken und daher ideal. Getrocknet wird fast alles: Quark, Fleisch, die verschiedensten Gemüse und Obstsorten, sehr viel Rosinen, Tomatenpüree, Kräuter und Gewürze. Sogar die in unserern Breiten sehr schwierig zu trocknenden Honigmelonen gelingen dank der geringen Luftfeuchtigkeit. Die Bauern sind es gewohnt einen Teil der Ernte zu trocken, um z.B. das Trockenobst auf dem Markt anbieten zu können, aber natürlich auch für den Eigenbedarf. Aber auch wer in der Stadt lebt und nichts selber anbaut kauft zur Haupterntezeit billig Gemüse und trocknet es für den Winter. In Indien sind noch von alternsher die afghanischen Händler von Trockenobst ein Begriff.

Heutzutage sind auf dem internationalen Markt die Anforderungen an die Qualität von Trockengut stark gestiegen.
Aber auch für den Konsum in Afghanistan ist es aus hygenischen Gründen sinnvoll nicht im Freien zu trocknen. Die Sonneneinstrahlung ist dank der Gebirgslage intensiv und die Anzahl der Sonnentage phänomenal.

Der Verein ABS e.V. begann 2004 mit ersten Versuchen zur solaren Trocknung. 2005 wurde in Zusammenarbeit mit Heike Hoedt das erste Mal der im Kapitel XX beschrieben kleine solare Tunneltrockner gebaut. Über die von ISES (international Solar Energy Socity) geforderte Solar Food Processing Initiative konnten besonders 2008 viele Trocknungstests gemacht werden und ein Ausbildungsprogramm zu verschiedenen vor Ort praktikablen Aspekten der Solaren Trocknung entwickelt werden.

Inzwischen ist, betreut durch ABS e.V., ein Kompetenzzentrum für solare Trocknung entstanden. Dort werden die Solaren Tunneltrockner in zwei Größen gebaut: 2m² für Projekte und Landwirte, die diese Technologie ausprobieren möchten, und 9m² als Einstieg in die kommerzielle Solartrocknung. Die Trockner werden auch an Hilfsorganisationen verkauft, immer komplett mit einem 2 tägigen Einführungsseminar in die solare Trocknung – für die Anwender der Trockner. Neben der Werkstatt in der die Trockner hergestellt werden befindet sich ein Ausstellungs und Testgelände, mit einem Raum zur Vorbereitung und weiterverarbeitung des Trockenguts. Interessierte können sich hier informieren und von Fachpersonal beraten lassen.

Heike Hoedt (Solare Bruecke) beriet das Projekt in allen technischen Fragen und bildetet das Personal von ABS e.V. bezüglich Anwendung der Solartrockner und Verarbeitung der Lebensmittel aus. Sie entwickelte die Multiplikatorenschulung unter Einbeziehung der lokalen Voraussetzungen und Möglichkeiten.

Gegen Ende 2010 waren bereits über 300 Stück des 2m² Trockners in Afhanistan verkauft.

 

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